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Créateurs d'avenir

Nach zwei Wochen in Italien stelle ich erstaunt fest, wie verkrampft die Diskussionen in der Schweiz zum COVID-Zertifikat sind. Nicht dass die Italiener Fan von ihrem "Green Pass" wären, aber seine Existenz stellen nur Extremisten in Frage, die primär die Gunst der Stunde nutzen wollen, um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen.

In Italien sind die Diskussionen viel pragmatischer. Beispielsweise, dass es unglaublich mühsam ist, den Green Pass jeden Tag am Arbeitsplatz zu kontrollieren, weil er nicht anzeigt wie lange er gültig ist. Er ist eine Widrigkeit mehr im Leben mit der man sich arrangieren muss. Die Italiener werden es sich einrichten, auch mit der Zertifikatspflicht am Arbeitsplatz. Kein einziges Restaurant hat meine Identitätskarte sehen wollen, um zu überprüfen, ob das Zertifikat auf meinem Handy wirklich meins ist. Wozu auch?

Nur in einem staatlichen Museum wurde alles genau geprüft. Der Andrang war allerdings bei weitem nicht so gross wie bei den Restaurants, der Museumsangestellte hatte wenig zu tun. Genau das ist das Problem, dass die Italiener wirklich beschäftigt. Die Pandemie hat die Armut vergrössert, insbesondere im Norden. Aufgezeigt hat das Caritas Italia in einem Bericht, der gerade veröffentlicht wurde. Die brennende Frage ist, wie den Folgen begegnet wird.

Ganz anders in der Schweiz. Die Skigebiete fordern Planungssicherheit. In allen Managementzeitschriften ist Agilität das aktuelle Schlagwort aber das scheint noch nicht überall angekommen zu sein.  In diesem Kontext ist "créateurs d'avenir" der neue Claim der Grünliberalen Partei erfrischend. Nicht jammern, sondern vorwärts schauen. NIcht planen, agil auf neue Gegebenheiten reagieren. Haben die Italiener wirklich die besseren Zukunftsperspektiven als die Schweizer, weil sie agiler sind?

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