Meine Blogs

Blick hinter die Fassade - es geht um mehr als Du denkst

Der erste Eindruck täuscht selten, dennoch gibt er selten gleich Einblick in die ganze Tiefe eines Themas oder in die ganze Persönlichkeit eines Menschen.

Ich schreibe Blogs zu zwei Themen: das einmalige und sonderbare Huttwil und das sonderbare und einmalige Lukanien. Zwei Welten so verschieden, die so viel gemeinsam haben.

Überzeuge Dich selbst!

Philippe


Mein neuester Blogartikel

Muss es BIO sein?

Die Frage weckte den Widerstand des Gesundheitswissenschaftlers in mir. Gestellt hatte sie ein Budgetberater in einem Artikel über die Zunahme der Budgetberatungen wegen den steigenden Lebenskosten.

Sollen Menschen unter oder an der Armutsgrenze den billigsten Frass essen, ungeachtet der Produktion, des Transports, den Folgen für Mensch und Umwelt, weil sie gesundes Essen nicht bezahlen können? So verstehe ich die Frage in Wirklichkeit.

Wie jede Zentrumsgemeinde hat Huttwil einen höheren Anteil an Sozialhilfeempfänger als die umliegenden Gemeinden und ist sehr direkt von dieser Frage betroffen. Soll die finanzielle Situation eines Menschen ungeachtet der Kosten, die bei anderen anfallen, dazu führen, dass die finanziellen Mittel dieser Person entscheidend sind, wie sich diese ernährt?

Nein, sagt der Gesundheitswissenschaftler in mir. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Gesundheit der Menschen der untersten sozialen Schichten schlechter ist als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Ungesundes Essen würde diese Gesundheit noch verschlechtern, so wie Fluglärm die Gesundheit gefährdet und deshalb beim Ausbau von Flughäfen in der Interessenabwägung berücksichtigt wird. Die Folgekosten trägt die Allgemeinheit. Wollen wir Folgekosten zahlen, weil sich jemand keine gesunde Ernährung leisten kann?

Nein, sagen aber auch andere Stimmen in mir. Billige Lebensmittel entstehen durch Methoden, die Mensch, Umwelt und Tier missachten und den Gewinn optimieren, nicht den Ernährungswert. Sie führen beispielsweise zu Arbeitsbedingungen, die der Sklaverei ähnlich sind. Allerdings ist der Schluss, Fleisch von Fernweg habe automatisch eine schlechte Ökobilanz auch nicht korrekt.

«Ein Kilo Emmentaler kostet heute 5,60 Franken. Das ist zu wenig, um das Überleben von kleinen Käsereien zu sichern», sagte Franziska Borer, Direktorin von Emmentaler Switzerland, 2012 gegenüber swissinfo.ch. Wann haben Sie 5 Franken 60 für einen Kilo Emmentaler bezahlt? Würden Sie mehr Emmentaler essen, wenn das Kilo 5 Franken 60 Rappen kosten würde?

Nein, es muss nicht BIO sein. Es muss gesundes Essen sein, das bezahlbar ist und dessen Wertschöpfung in der Region bleibt. Sonst zahlen wir die Rechnung aus einem anderen Budget.

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