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Passt die Hauptfigur?

Philippe: Du schreibst letzte Woche, das Thema seien die Folgen des Wandels einer Gemeinschaft, die nicht mehr für alle ihre Mitglieder sorgen kann. Du schreibst, aber auch, Du hättest Dich für den Sohn eines Weggezogen entschieden. Weil es Dir um den Aspekt geht, wie man als Vater die Kultur seiner Vorfahren weitergibt, wenn man selbst nicht in der alten Heimat der Vorfahren aufgewachsen ist.


In Deinem Debütroman gibt Deine Hauptfigur die Kultur seiner Vorfahren nicht weiter, er entdeckt sie erst. Ist das nicht ein Widerspruch?


Gianpietro: Wenn es mein einziger Roman wäre, dann wäre es in der Tat ein Widerspruch. Das Thema ist so vielschichtig, dass ich mich für eine Achim-Crocco-Reihe entschieden habe. 


Das erste Buch handelt von der Entdeckung einer Lücke. Achim realisiert erst nach dem Tod seines Vaters, was dieser ihm nicht weitergegeben hat. Bereits sein Vater stand vor der Frage, was er von der Kultur seiner Vorfahren weitergibt. Diese Frage hat er für sich beantwortet. In Wirklichkeit hat er seinem Sohn sehr viel weitergegeben. Er hat ihn auch dabei unterstützt, seinen eigenen Weg zu finden. Nicht zuletzt hat er auch etwas aufbewahrt, was für ihn keinen Nutzen mehr hatte: ein Haus und Land in seinem Geburtsort.


Der eigene Vater und dessen Verhalten sind wichtige Referenzen für Achim in der Suche nach der Antwort, was er seinen eigenen Kindern weitergeben wird. Der Vergleich mit seiner Mutter und ihr Verhalten ist ebenso wichtig. Der Versuch zu verstehen, wieso er so viel mehr über seine deutschen Vorfahren und dem Geburtsort seiner Mutter weiss, ist bedeutsam.


So ein Versuch bleibt nicht ohne Folgen. Auch ein 60-jähriger Mann verändert sich aufgrund der Suche nach der «Wahrheit». Ich verwende Anführungszeichen, denn eigentlich kommt Achim der Wahrheit nicht näher, er lernt lediglich, sie aus anderen Perspektiven zu sehen. Seine Wahrnehmung wird dadurch präziser und selbstkritischer. Aus der Wut dem Vater gegenüber, der ihm Sachen verschwiegen hat, wächst die Erkenntnis, dass Achim selbst zur Lücke beigetragen hat, weil er zu spät begonnen hat, Fragen zu stellen.


Die Lehren als Sohn wirken sich auf Achim als Vater aus. Dazu kommen wir im nächsten Roman, dem ich den Arbeitstitel «Petrolio» gegeben habe. Achim will die Kultur seiner Vorfahren weitergeben. Mehr dazu erzähle ich schon bald.

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