Philippe: Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Bücher, die von KI geschrieben wurden, fluten den Markt. Welche Rolle spielt KI in Deinem Alltag als Autor?
Gianpietro: Was kann man schon von einem Buch erwarten, welches mit KI geschrieben wurde? Eine standardisierte Geschichte, die von bestehenden Geschichten kopiert? Nach über 3500 Folgen mag
das bei Jerry Cotton interessant sein, weil niemand mehr weiss, was alles in diesen vielen Folgen schon passiert ist.
Ich will keine Massenware schreiben, also spielt KI für mich nur eine unterstützende Rolle. ChatGPT ist inzwischen die bessere Suchmaschine als Google, wenn man Fragen wie folgende stellt:
«was findest Du zum Thema XY?». Als Start für eine Recherche ist das nicht schlecht. Allerdings musst Du alles überprüfen, weil manchmal falsche Antworten entstehen. Ich habe heute ChatGPT
gefragt, wer Gianpietro Montano sei. Die Antwort war korrekt. Wird sie morgen auch korrekt sein?
Eine Spielerei ist für mich Copilot. Wenn ich ein Manuskript so weit habe, dass ich es meinen Testleser:innen übergebe, bitte ich Copilot meinen eigenen Stil zu beschreiben. Das kann ich dann
mit den Beschreibungen anderer Manuskripte vergleichen. Die Unterschiede sind minim. Zum Glück, ein Buch von Gianpietro Montano soll schliesslich am Stil erkennbar sein.
Bilder für Beiträge in Social Media generiere ich auch. Wobei ich echte Fotos deutlich bevorzuge. Textausschnitte aus meinem Buch visuell aufarbeiten lassen, finde ich
interessanter.
Spielen wir einmal mit KI: Nehmen wir einen Satz aus dem letzten Beitrag: Viele Szenen sind nicht fiktiv, sondern haben sich zu einem anderen Zeitpunkt anderswo abgespielt. Ich habe vier
Bilder generieren lassen. Einmal lautete der Befehl: male ein Bild zu diesem Text. Dann fügte ich je einmal das Wort «fröhliches» und «futuristisches» vor dem Wort «Bild». Der Befehl beim vierten
Bild war: Stelle diesen Satz in einer süditalienischen Szene dar.
Einen Graphiker dafür zu beauftragen, läge finanziell nicht drin. Also würde ich es gar nicht machen. Aber mit ChatGPT kannst Du die Macht der Wörter visualisieren.
Ich höre viele Klagen, KI bedrohe die Existenz der Künstler. Ich sehe KI nicht als Bedrohung der Kunst, sondern des Handwerks kreativer Berufe. Begabte Graphiker oder Texter können selten von
ihrer Kunst leben, sie brauchen eine Existenzgrundlage dank Aufträgen, die Kreativität erfordern, ohne Kunst zu sein. Gibt es diese Aufträge nicht mehr, müssen sie anderen Berufen
nachgehen.
Deshalb setze ich Künstliche Intelligenz nur dann ein, wenn ich sonst gar nichts machen würde.
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