Philippe: Achim lebt von seiner Frau getrennt, weil sie an die John-Hopkins-Universität in Baltimore zur ordentlichen Professorin berufen wurde. Wieso?
Gianpietro: Du musst rückwärts denken.
Wieso bereist Achim die Basilicata allein? Weil seine Familie nicht mitreisen kann.
Wieso kann sie nicht mitreisen? Weil sie aufgrund der Pandemie von ihm getrennt ist.
Wieso ist sie wegen der Pandemie von ihm getrennt? Weil sie in den USA ist.
Wieso ist sie in den USA? Weil seine Frau dort arbeitet.
Wieso arbeitet sie dort? Weil sie zur ordentlichen Professorin in Baltimore berufen wurde.
Wieso Baltimore? Weil sie in Baltimore aufgewachsen ist und an der John-Hopkins-Universität studiert hat.
Wieso die John-Hopkins-Universität? Weil diese Universität seit Jahrzehnten eine Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg pflegt.
Wieso die Universität Heidelberg? Weil Achim dort arbeitet.
Ja schon, aber wieso spielt das für seine Frau eine Rolle? Weil sie im Rahmen der Zusammenarbeit beider Universitäten für ihre Forschung nach Heidelberg kam.
Lernten sich Achim und Vivian deshalb kennen? Ja.
Dazu kommen weitere Themen, wie akademische Karrieren. Seine Frau forscht in einem modernen, hypen Gebiet, die Genomik. Achims Forschung ist verstaubter, wenn auch nicht völlig weltfremd:
Florenz zur Zeit der Medicis. Sie wird ordentliche Professorin, Achim nicht.
Es geht auch um die Folgen für Achims Mutter, die ihre Enkel nicht mehr sieht und Achim vorwirft, seine Frau sei ihm davongelaufen.
Im zweiten Roman wird diese pandemiebedingte Trennung nochmals thematisiert. Achim wäre auch ohne Pandemie in Europa geblieben, weil er sich mit 58 Jahren und seinem «verstaubten» Fachgebiet
keine Chance ausrechnete, in Baltimore eine Stelle zu finden.
Die Kinder haben sich beide für ein Studium in den USA entschieden, also auch gegen ein Studium in Deutschland. Es geht auch darum, wie Europa in gewissen Themenbereichen den Anschluss in der
akademischen Forschung verloren hat.
Ich wiederhole mich ungern, aber es geht mir immer um Einzelschicksale. Achim bereist die Basilicata allein, weil er auf ein Fachgebiet spezialisiert ist, welches vergangenheitsgerichtet ist.
Im Gegensatz zu seiner Frau mit einem zukunftsgerichteten Fachgebiet. Seine Kinder wählen ebenso zukunftsgerichtete Fachgebiete (die Tochter Umweltwissenschaften, der Sohn Medizininformatik).
Ihre Perspektiven sind in den USA besser als in Europa. Da genügten eine weltweite Pandemie und die politischen Entscheidungen, wie die Einschränkung des Flugverkehrs, und schon sieht Achim zwei
Jahre lang seine Familie nur über Video.
Immer noch besser als früher, würde Vito nun sagen, als man bei der Auswanderung nicht wusste, ob man sein Dorf und seine Verwandten je wieder sehen würde.
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