Philippe: Giovanni Crocco habe keinen endgültigen Entscheid gefällt, sondern seinem Sohn die Möglichkeit gelassen, selbst zu entscheiden, ob er eine Zukunft in der Basilicata sieht. Was für eine Zukunft kann ein 60-Jähriger in der Basilicata haben?
Gianpietro: Auch Achim kann entscheiden, seinen Kindern eine Chance zu geben, selbst zu entscheiden. Dies ist ein zentrales Thema meines zweiten Romans, welches aktuell im Lektorat ist.
Achim hat keine Zukunft in der Basilicata. Sie wird für ihn bestenfalls ein Altersruhesitz während mehreren Monaten pro Jahr sein. So stelle ich mir meine eigene Zukunft in der Basilicata
vor. Als Rentner werde ich mehrere Monate pro Jahr «unten» sein, wie wir unter Auswandererkinder sagen. Nicht nur zwei, drei Wochen, sondern eher zwei, drei Monate. Und immer die Möglichkeit
haben wieder zu gehen, wenn es mir zu viel oder zu langweilig wird.
Achim muss genau die Frage beantworten, die sein Vater nie beantwortet hat. Nachdem er seinem Vater vorgeworfen hat, ihm die Basilicata nie näher gebracht zu haben, steht er vor der Frage,
wie er die Basilicata seinen Kindern näherbringen soll. Jessica studiert Umweltwissenschaften, Robin Medizininformatik. Was für eine Zukunft können sie mit diesen Ausbildungen in der Basilicata
schon haben?
In meinem Debütroman gibt es einen Hinweis, woran er denkt. Er sagt seiner Tochter, in der Basilicata gäbe es sehr viele interessante Themen für ihre Doktorarbeit. Es gibt noch weitere
Hinweise, worum es geht. Wenn Du den Roman nochmals liest, wirst Du sie wahrscheinlich erkennen.
Es ist ja nicht so, dass die Leute in der Basilicata keine Zukunftsaussichten hätten. Pläne zu realisieren, ist eine Herausforderung, weil es viele, sehr viele Hürden gibt. Die
Erbengemeinschaften sind eine dieser Hürden. Eine Einigung unter Erben ist überall auf der Welt ein schwieriges Unterfangen, aber wenn die Erben auf verschiedenen Kontinenten verstreut sind und
ein unterschiedliches Interesse am Erbe haben, wird es noch komplizierter. Stell Dir mal vor, Du erfährst, dass Du einen Siebenundzwanzigstel einer praktisch wertlosen Landwirtschaftsfläche
erbst, irgendwo im Nirgendwo in der Nähe des Dorfes, aus dem Dein Grossvater oder Urgrossvater ausgewandert ist. Fährst Du hin, um Dir das anzuschauen?
Es braucht Menschen mit Ideen, Menschen mit Durchsetzungskraft und Menschen mit Beziehungen. Darum geht es im zweiten Roman. Wie kann Achim sich so einbringen, dass Jessica ein
zukunftsträchtiges Projekt in der Basilicata umsetzen kann?
Generationen haben die Auswanderung als beste Zukunftsaussicht gesehen. Bis heute. Potential gibt es in der Basilicata schon, aber wenige Investoren.
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