Philippe: «Generationen haben die Auswanderung als beste Zukunftsaussicht gesehen. Bis heute.», schreibst Du letzte Woche im Blog.
Es gibt einen Think Tank, der sich mit Zukunftschancen der Basilicata befasst. Er wird von «The European House – Ambrosetti», einem Mailänder Unternehmen, betrieben. Im Vorwort des Berichts steht «Das Wirtschaftswachstum ist eng mit der Entwicklung des Human- und Sozialkapitals verknüpft. Unter diesem Gesichtspunkt steht die Basilicata vor der Aufgabe, ein dringendes demografisches Problem anzugehen, das nicht nur mit der Alterung der Bevölkerung, sondern auch mit einer negativen Wanderungsbilanz zusammenhängt.»
Daraus leitet der Think Tank drei Handlungsachsen ab: das Vorhandensein kapitalintensiver Unternehmen, das Vorhandensein einer weitreichenden Lieferkette im Agrar- und Lebensmittelbereich und der Beitrag des Kunst- und Kultursektors sowie des Tourismus. Ist das die Zukunft der Basilicata?
Gianpietro: Wir werden mehrere Blogbeiträge brauchen, um diese Frage zu beantworten. Der Bericht ist hilfreich. Er diente mir als Grundlage für den zweiten Roman der Achim-Crocco-Reihe, denn ja, er enthält eine Vision wie die Basilicata sich entwickeln könnte.
Im Vorwort dieses Berichts steht auch «Die vorgeschlagene Vision zielt darauf ab, die Basilicata als einen Ort der Chancen, aber auch als Ort für die Erprobung bewährter Verfahren im Umweltschutz, für die Anziehung hochqualifizierter junger Menschen sowie für die Schaffung eines innovativen, inklusiven und wachstumsorientierten Wirtschafts- und Lebensumfelds zu stärken. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere das Thema der ganzheitlichen territorialen Nachhaltigkeit ..»
Beginnen wir mit den letzten drei Wörtern dieser Aussage: ganzheitliche territoriale Nachhaltigkeit. Was heisst das? 40% der Bevölkerung lebt in den 15 grössten Gemeinden. Dies sind die einzigen Gemeinden mit einem positiven Bevölkerungswachstum. Alle anderen, knapp 90% der Gemeinden, schrumpfen. 4 von 10 Einwohner wohnen auf weniger als 10% der gesamten Fläche der Basilicata. Mit anderen Worten: die Basilicata besteht primär aus einer Fläche, die wenig genutzt wird und in Zukunft noch weniger genutzt werden wird.
Der Think Tank sagt, man solle diese Fläche nicht aufgeben, sondern nachhaltig denken. Die Infrastruktur der Basilicata ist schwach, im Bericht wird sie defizitär genannt. Sie ist nicht nur physisch schwach, also zum Beispiel ungenügende Verkehrserschliessung, sondern auch digital.
Die Basilicata ist aber auch eine der führenden Regionen Italiens, was erneuerbare Energien anbelangt. Das Schlüsselwort ist Dekarbonisierung. Die Basilicata hat ein riesiges Potenzial, um die Bindung von Kohlendioxid und die Kompensation von freigesetztem Kohlendioxid zu ermöglichen.
Das tönt wahnsinnig technisch und wer das liest, fragt sich als erstes, was er oder sie als einzelne Person machen kann. Mein zweiter Roman ist ein Vorschlag, wie «die Anziehung hochqualifizierter junger Menschen» und «die Erprobung bewährter Verfahren im Umweltschutz» ganz konkret funktionieren könnten.
Kommentar schreiben