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Wein, Käse und Erdbeeren

Philippe: Der ThinkTank Basilicata erwähnt das Vorhandensein einer weitreichenden Lieferkette im Agrar- und Lebensmittelbereich als eine der drei Handlungsachsen, die zu entwickeln sei. Wenn ich an die Basilicata und Agrar- und Lebensmittelbereich denke, so kommen mir einzelne Produkte oder einzelne Bilder in den Sinn. Zum Beispiel den Wein Aglianico del Vulture oder der Getreideanbau nördlich von Matera. Soviel ich weiss, wird auch in keiner Region Italiens mehr Erdbeeren angebaut. Aber Lieferketten? Fehlanzeige.

 

Gianpietro: Der Bericht 2022 des ThinkTank bezeichnet die Wertschöpfungskette im Agrar- und Lebensmittelbereich als strategischen Kompetenzbereich der Region. In der Vision „Basilicata: Energie für eine nachhaltige Zukunft“ spielt sie auch eine Rolle. In keiner italienische Region werden Dünger so sparsam eingesetzt und mit 21% Anteil an der Landwirtschaftsfläche ist die Basilicata hinsichtlich biologischer Landwirtschaft deutlich über dem Landesdurchschnitt. Der Bericht sagt aber auch, dass die Förderung der Internationalisierung und der Exportbereitschaft von KMU eine Priorität für die Region sein müsse.

 

Was das bedeutet, kann ich Dir an folgender Episode erklären, die mir kürzlich widerfahren ist. Der Käse aus Moliterno, einer kleinen Stadt in der Basilicata, ist der einzige Käse der Basilicata, welcher auch in Norditalien bekannt ist und dort in den Supermärkten zu finden ist. Kürzlich habe ich auf einem Wochenmarkt in einem Schweizer Städtchen einen Moliterno-Käse gefunden. Er war allen Ernstes mit «Moliterno-Käse aus Sardinien» beschrieben. Die Herkunftsbezeichnung «Basilicata» wirkt in der Schweiz nicht, «Sardinien» hingegen schon.

 

Der Aglianico del Vulture ist ein Wein von Weltklasseformat. Im deutschsprachigen Raum zahlst Du für einen mittelmässigen Barolo mehr als für einen ausgezeichneten Aglianico. Weil niemand weiss, was Aglianico del Vulture ist.

 

Der Bericht schlägt viele technologische Massnahmen vor, auf die ich im Detail nicht eingehen will. Kurz gesagt: die Basilicata ist heute technologisch nicht in der Lage, die Überwachung und Verfolgbarkeit von Lebensmitteln oder Agrarprodukte im grossen Stil sicherzustellen.

 

Es gibt wenige fertige Produkte, die in der Basilicata hergestellt und danach exportiert werden. Der Früchte- und Gemüseanbau an der Ionischen Küste liefert frische Lebensmittel, die unverarbeitet verschickt werden. Fruchtsäfte, Konfitüren oder Teigwaren werden nicht in grossem Stil hergestellt. Überall gibt es hervorragende lokale Produzenten, die bereits in der nächsten Ortschaft kaum bekannt sind.

 

Der Bericht spricht allgemeiner von Bioökonomie und bemängelt, wie keine systemische Herangehensweise vorhanden ist. Jede Herausforderung wird isoliert betrachtet und angegangen. Das beginnt im Familienunternehmen und endet bei der Region.

 

Am Stadtrand von Policoro steht eine industrielle Bauruine. Hier war früher eine Zuckerfabrik, die Zucker aus Zuckerrüben herstellte. Sie wurde 1991 geschlossen. Die regionale Regierung will dort 30 Millionen Euro investieren, um ein Zentrum für Innovation im Bereich der Energiearmut errichten. Ich warte mit Spannung auf die Erklärung, wie das zu den Empfehlungen des Think Tanks passt.

 

Individuell gesprochen, sind die Hürden für den Einzelnen viel zu hoch, um etwas anderes als lokale Produktion für lokale Konsumenten zu tun.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Maximilian Puerstl (Dienstag, 21 April 2026 12:48)

    Ja, die Erdbeeren aus Policoro werden auch in den österreichischen Supermärkten verkauft.

    Aber: Der Einsatz von Pestiziden ist enorm. Das gilt nicht nur für die Erdbeeren, sondern auch für die berühmten Marillen in Rotondella und für sämtliches Gemüse und Obst, und das gilt häufig auch für Wein- und Olivenanbau. Deshalb essen Einheimische oft diese Produkte nicht. Ich persönlich verzichte auch sehr gerne darauf.

    Im Metapontino kenne ich nur einen Bauern, der Gemüse und Obst ausschließlich biologisch anbaut, das ist Leonardo Angelino in Policoro.