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Tourismus

Philippe: Matera als Kulturhauptstadt Europas 2019 gab dem Tourismus einen Schub, aber eine touristische Destination ist die Basilicata immer noch nicht. Im Bericht des Think Tanks Basilicata steht wortwörtlich: "Der Tourismus spielt in der regionalen Wirtschaft nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle. Diese unterdurchschnittliche Leistung lässt sich durch die mangelnde Nutzung der eigenen Umwelt- und Naturressourcen erklären, darunter: eine hervorragende lokale Agrar- und Lebensmittelproduktion, das Vorhandensein von Schutzgebieten (Naturreservate), eine geringe Bevölkerungsdichte, sowie ein bedeutendes kulturelles und balneares Erbe."


Wieso?

 

Gianpietro: Es ist immer derselbe Grund: niemand denkt systemisch. Im Bericht steht auch: Der Tourismus ist ein Motor für die Entwicklung der Basilikata, doch die Wettbewerbsposition der Region auf nationaler und internationaler Ebene ist, obwohl sie sich verbessert, nach wie vor schwach. Die Steuerung des Tourismus ist fragmentiert, hat sich im Laufe der Zeit häufig verändert und hat Schwierigkeiten, eine systemische Strategie in der Basilikata umzusetzen. Der Tourismus ist ein „komplexer“ Sektor, der einen Qualitätssprung in industrieller Hinsicht erfordert. Mängel in der Infrastruktur und bei der Anbindung schränken die Verteilung der Touristenströme ein. Die digitale Revolution verändert den gesamten Tourismussektor, und die Region darf diesen Zug nicht verpassen. Nachhaltigkeitsanforderungen prägen den Sektor, doch es bedarf eines integrierten und kollektiven Ansatzes mit einer starken Beteiligung der Bürger. Die Präferenzen moderner Reisender verlagern sich hin zu „Erlebnissen“, was Auswirkungen auf die Angebotsplanung und die Aufwertung von sekundären und nicht massentouristischen Zielen hat.


Versuch auf den gängigen Plattformen ein Ferienhaus in der Basilicata für eine grössere Familie zu finden und Du wirst verstehen, was das konkret bedeutet. Es gibt nicht viel Online-Angebote, die Basilicata ist verkehrstechnisch schwer zu erreichen usw. usw.


Das Ganze hat eine positive Seite: die Basilicata ist immer noch ein Geheimtipp. Diese «Verlagerung zu Erlebnissen» kann die Region bestens bieten. Da sind keine massentouristischen Ströme, ausser manchmal in den Sassi von Matera, aber nicht vergleichbar mit den Stränden von Rimini oder Riccione. 


In meinem Debütroman «Die Tote von Anglona» ärgert sich Achim über die mangelnde Zusammenarbeit und das Fehlen von Infrastrukturen, die eine Zusammenarbeit fördern. Das ist mein ganz persönlicher Ärger, ich habe Achim ihn aussprechen lassen.


Der Filmregisseur Francis Ford Coppola hat in Bernalda ein wunderschönes 5-Sterne-Hotel gebaut. Sein Grossvater ist von Bernalda aus in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Der Kontakt ist nie abgebrochen. Nun gibt es also dieses wunderbare Angebot, aber es ist in nichts eingebettet. Es ist ein Symbol für die begrenzten Möglichkeiten des Einzelnen. 

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