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Schwarzenbachschmerz

Gianpietro: Ich habe Philippe gebeten, einen Beitrag allein schreiben zu dürfen. In meinen Welten gibt es ein dunkles Kapitel. In einem frühen Beitrag dieser Blogserie GIANPIETROS WELTEN, habe ich geschrieben: Die Geschichte der süditalienischen Arbeiter, die in die Schweiz kamen, weil die Schweiz Arbeitskräfte brauchte, ist eine schmerzhafte Geschichte.

 

Dieser Schmerz ist wieder sehr präsent.


Die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» hat reelle Chancen vom Volk angenommen zu werden. Sie löst bei uns Migranten Angst aus, reisst alte Wunden auf und weckt schmerzhafte Erinnerungen. Die Initiative zielt auf uns. Oder glauben Sie, dass Schweizer Staatsbürger aufgefordert würden, das Land zu verlassen, wenn die permanente Bevölkerung die 10-Millionen-Grenze überschreiten sollte? Sie ist genauso fremdenfeindlich wie die Überfremdungs-Initiative von James Schwarzenbach.


Wir Migranten sind nicht minderwertige Menschen. Wir leisten unseren Beitrag zum Wohlergehen dieses Landes. Wir leiden genauso unter den hohen Mieten, Krankenkassenprämien oder Benzinpreisen. Die Last der Bevölkerung in der Schweiz kennt keine Staatsbürgerschaft und trifft alle.


Die Schweizer Wirtschaft floriert und kann ihren Bedarf an Arbeitskräften nicht durch Schweizer Staatsbürger abdecken. An diesem wirtschaftlichen Erfolg haben die Migranten ihren Anteil geleistet und sie zahlen wie alle anderen auch für die Kehrseite dieses Erfolgs.


Wir Migranten sind Menschen und nicht nur Arbeitskräfte. Wir nehmen am Leben in der Gesellschaft teil, engagieren uns in Vereinen und wenn wir uns einbürgern durften, beteiligen wir uns auch am politischen Geschehen.


Die Schmarotzer sind nicht wir, sondern diejenigen, die uns ausnutzen, ausbeuten und wie Wegwerfartikel behandeln wollen, wenn wir in ihren Augen nicht genügend zu ihrer Bereicherung beitragen.


Wir Migranten sind nicht die Ursache für die Probleme der Schweiz, sondern die Lösung eines hausgemachten Problems der Schweiz. Nicht wir spekulieren mit Bauland, Immobilien, Erdöl oder Getreide.


Für Doppelbürger wie ich, sind solche Zeiten besonders schmerzhaft. Die Schweiz ist auch unser Land. Wir wollen nicht zwischen zwei Ländern wählen müssen, denn sie sind beide Teile unserer Identität.


Diesen Schmerz in positive Energie umzuwandeln, erfordert viel Kraft. Hass gegen die Fremdenfeindlichen zu schüren, wäre viel einfacher. Aber so bin ich nicht, so sind die meisten Migranten nicht.


Wir sind gekommen, weil man uns gebraucht hat, und wir wollen bleiben, denn wir sind überzeugt, dass wir Teil der Lösung sind.

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Kommentare: 1
  • #1

    Maximilian Puerstl (Dienstag, 19 Mai 2026 10:16)

    Sehr beeindruckend! Meine volle Solidarität!