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Lebensorte schaffen

In Süditalien sind es Häuser, die niemand mehr haben will, in der Schweiz sind es Strassen. In Roggwil (Kanton Bern) hat sich jemand für wenig Geld zum Eigentümer von zwei Quartierstrassen eintragen lassen, in Süditalien verkaufen Dörfer einzelne Häuser für einen Euro.

Die Gemeinsamkeiten hören aber hier auf, oder doch nicht? Während in Süditalien die Einwohnergemeinden im Lead sind, werden die Einwohnergemeinden in der Schweiz überrumpelt. In Roggwil haben die Anwohner immerhin das Glück, das ihr Wegrecht im Grundbuch eingetragen sind, nicht so wie in einem ähnlichen Fall in Deutschland.

Quartierstrasse in Privatbesitz sind eine heikle Angelegenheit, wie die Huttwiler und Huttwilerinnen wissen. Die Bubenbergstrasse ist im Besitz der Eigentümer der angeschlossenen Liegenschaften und in einem schlechten Zustand. Die Kosten tragen müssten die Eigentümer, obwohl es Vorverträge mit der Einwohnergemeinde gibt, die allerdings nie unterzeichnet wurden.

Eine Ortschaft ist mehr als nur die Summe einzelner privater Liegenschaften. Ob eine Ortschaft verfällt, zur Schlafstadt oder zum Durchfahrtsort verkommt, oder ein Lebensort ist und bleibt, hängt vom Willen der Gemeinschaft ab, gemeinsame Projekte zu haben. Den Huttwillerinnen und Huttwilern sollte jetzt das Stichwort «Städtliwerkstatt» in den Sinn kommen. Schrumpfen, Donut und andere nette Begriffe sind in diesem Zusammenhang gefallen. In Wirklichkeit wächst Huttwil, hat ein saniertes Schwimmbad und einen neuen Spielplatz auf der Ribimatte.

Egal ob in Süditalien oder in der Schweiz, ein Ort wird erst zum Ort zum Leben, wenn die Menschen nicht nur ihre Partikularinteressen pflegen, sondern auch gemeinsame Strukturen.

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