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Verantwortung

Philippe: Für die dritte Generation ist es unendlich schwieriger, sich zwischen zwei Welten hin und her zu bewegen. Sie sind von der zweiten Generation abhängig. Sagst Du im Beitrag letzte Woche. Ist das nicht zu viel Verantwortung für die zweite Generation?


Gianpietro: Ja und Nein. Sie sind die erste Generation, die beide Welten kennt. Die neue Welt, die gewählte Welt der Migranten, werden ihre Kinder ohnehin durch die Schule kennenlernen, aber ob sie Zugang zur Welt ihrer Vorfahren haben, hängt von der zweiten Generation ab.


Der Kontakt mit den Grosseltern ist für Kinder ohnehin bereichernd, egal mit oder ohne Migration. Wenn Du den Achtzigjährigen aus dem Emmental und der Basilicata zuhörst, wirst du viele Ähnlichkeiten erkennen. Für Kinder, die in der Schweiz aufwachsen, ist das Emmental fassbarer. Du kannst einen Tagesausflug machen. Deine Kinder können das Haus ihrer Vorfahren mit den eigenen Augen sehen, mit der eigenen Nase riechen. Sie können es berühren. Ist dieses Haus weit weg, dann ist das nur möglich, wenn die Eltern mit ihren Kindern dorthin fahren. Egal ob Du tausend Kilometer oder mehr nach Spanien, Portugal, Albanien oder Süditalien fährst, eine solche Reise ist mit Aufwand verbunden.


Besonders schön ist es natürlich, wenn die Grosseltern mitreisen. Wenn Sie erzählen, wie es war, bevor sie auswanderten.


Wenn die Grosseltern nicht mehr da sind, wenn diejenigen nicht mehr erzählen können, wie es früher war und wieso sie auswanderten, ist es viel schwieriger, die Welt der Vorfahren mit den Sinnen zu erfassen. Natürlich kannst Du wie der American Football Star Ben Roethlisberger nach Lauperswil reisen und mit eigenen Augen sehen, wie Deine Vorfahren lebten, wie er selbst an der Medienkonferenz am 8. Mai 2006 sagte. Er hat das Glück, dass der Bauernhof Geissbühl im Unterfrittenbach noch existiert. Was sich seit 1873 als seine Vorfahren auswanderten alles geändert hat, können ihm höchstens Chroniker erzählen. Sofern sie Englisch können.


Die Sprache der Vorfahren sprechen zu können, ist eine Grundvoraussetzung, um den Zugang zu finden. Ich kenne viele Drittgenerationskinder, welche die Sprache ihrer Vorfahren nicht sprechen.
Ja, es ist viel Verantwortung für die zweite Generation, denn sie stellt die Weichen. Nein, es ist nicht viel Verantwortung, denn keine Generation wird es einfacher haben, diese Weichen zu stellen.

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