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Positivität

Philippe: Eine Auswanderung ist nicht nur der Ausdruck der Hoffnung auf ein besseres Leben, sondern auch eine klare Überzeugung von sich selbst. «Yes, I can» sozusagen. Sind Auswanderer die mutigeren Menschen?


Gianpietro: Auswandern erfordert Mut, keine Frage. Bleiben bedeutet aber nicht Mutlosigkeit.

 

Achims alter Freund Nicolò sagt in meinem Debütroman «An sich sind nur zwei Fragen ausschlaggebend. Das mag seltsam klingen, aber so ist es. Die erste Frage war, ob man eine Perspektive fürs Bleiben hatte. Mein Bruder war bereit, den Hof des Vaters zu übernehmen, ich hingegen habe einen Beruf gelernt, der keine Aussichten auf genügend Einkommen für ein sorgloses Leben gab. Früher hat man ein gutes Paar Schuhe fürs Leben gekauft und dieses mit der Zeit ausbessern lassen. Mit der Massenproduktion sind günstige Schuhe auf den Markt gekommen, die die kleinen Budgets der Familien weniger belastet haben. Als Schuhmacher hätte ich hier nicht überleben können, im Gegensatz zu meinem Bruder, der dank dem Hof eine Existenz hatte.» (Die Tote von Anglona, Seite 93).


Mehr als eine Frage des Mutes ist es eine Frage der positiven Einstellung. Nicolò spricht von zwei Fragen. «Die zweite entscheidende Frage stellte sich nur denjenigen, die auswanderten, nämlich wo eine bessere Zukunft möglich war. Die besten Chancen auf Erfolg hatten Orte, wo man Beziehungen hatte, also Bekannte, die einem Arbeit beschaffen konnten. Ich habe einen Schuhmacher gekannt, der nach Florenz ausgewandert war, also habe ich den gefragt, ob es Möglichkeiten gebe, als Schuhmacher in Florenz zu leben. So ist es dann gekommen.»


Es geht nicht um «Yes, I can», sondern um «Yes, we can». Was natürlich den Glauben an sich einschliesst. Schau Dir die Auswanderersendungen an, die so erfolgreich auf verschiedenen Sendern laufen. Welche Auswanderer scheitern, welchen gelingt die Auswanderung? Worin unterscheiden sie sich? Nicht am Mut zum Zeitpunkt der Auswanderung.

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