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Huttwil befreien?

 

Sollen die Huttwilerinnen und Huttwiler, die das Blumenstädtchen als Teil des Emmentals sehen, zu den Waffen greifen und Huttwil unabhängig erklären? Soll das Emmental dieses unabhängige Huttwil anerkennen, mit Waffen beliefern, einmarschieren und bis Langenthal weiterziehen, um die imperialistischen Gelüste der Region Oberaargau zu stoppen, deren Präsidentin Charlotte Ruf und Geschäftsführer Stefan Costa jagen? Soll der Stadtpräsident Langenthals Reto Müller wie der Bürgermeister von Kiev Vitali Klitschko zu den Waffen greifen, um seine Stadt vor dem Invasor zu verteidigen?

 

Klingen diese Fragen für Sie abstrus? Ersetzen Sie Huttwil durch Donetzk, Emmental durch Russland, Oberaargau durch Ukraine und sie lesen Fragen, die alle mit Ja beantwortet wurden. Wie soll sich das Seeland verhalten, die Stadt Bern? Muss sich der Aargau fürchten, dass bernische Kräfte ihn als ehemaliges Untertanengebiet sehen und wieder in den Schoss des Mutterlandes holen wollen?

 

In seiner Rede vor dem Sicherheitsrat gibt der kenianische UN-Botschafter die Antwort: Today, across the border of every single African country, live our countrymen with whom we share deep historical, cultural and linguistic bonds. At independence, had we chosen to pursue states on the basis of ethnic, racial or religious homogeneity, we would still be waging bloody wars these many decades later. (Heute leben jenseits der Grenzen jedes einzelnen afrikanischen Landes unsere Landsleute, mit denen wir tiefe historische, kulturelle und sprachliche Bindungen teilen. Hätten wir uns bei der Unabhängigkeit dafür entschieden, Staaten auf der Grundlage ethnischer, rassischer oder religiöser Homogenität anzustreben, würden wir heute, viele Jahrzehnte später, immer noch blutige Kriege führen.)

 

Landesgrenzen sind nur verwaltungstechnische Grenzen. Die Menschen entscheiden, ob sie auch geistige Barrieren oder in kultureller, ethnischer, rassischer oder religiöser Hinsicht unbedeutend sind.

 

 

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